Ratgeber 17. Mai 2026 4 Min. Lesezeit

Wärmepumpe im Altbau – funktioniert das wirklich?

Hohe Vorlauftemperaturen, alte Heizkörper, Dämmung: die häufigsten Altbau-Einwände im Realitätscheck – und wie Sie in 15 Minuten selbst herausfinden, ob eine Wärmepumpe funktioniert.

Saniertes Einfamilienhaus mit Chofu R290 Wärmepumpe im Garten bei frühlingshaftem Licht

Kurz gesagt: Ja, eine Wärmepumpe funktioniert in den allermeisten deutschen Altbauten – auch ohne Fußbodenheizung und oft ohne Heizkörpertausch. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Vorlauftemperatur, mit der Ihr Haus warm wird. Unter 55 °C ist problemlos, bis 65 °C gut, bis 75 °C noch sinnvoll machbar. Den ehrlichen Check machen Sie in einer Viertelstunde selbst.

Der Mythos, der sich hartnäckig hält

Wer sich als Altbau-Besitzer nach einer Wärmepumpe erkundigt, hört oft den gleichen Satz: „Das geht bei Ihnen nicht, Sie brauchen eine Fußbodenheizung.” Der Satz ist gut gemeint – und meistens falsch.

Er stammt aus einer Zeit, als Wärmepumpen tatsächlich nur bei niedrigen Vorlauftemperaturen effizient gearbeitet haben. Das hat sich geändert. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel R290 schaffen Vorlauftemperaturen bis 75 °C – genug, um auch Gussheizkörper aus den 1970ern ohne Austausch zu bedienen.

Trotzdem gilt: Blindkauf bleibt riskant. Ein paar Minuten Vorbereitung ersparen Ihnen später böse Überraschungen.

Die einzige Zahl, die wirklich zählt: die Vorlauftemperatur

Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist. Als Faustregel: Pro 10 °C mehr Vorlauf verlieren Sie etwa 20–25 % Effizienz.

VorlauftemperaturTypischer Einsatzbereich
35 °CNeubau, Fußbodenheizung
45 °CGuter Sanierungsstandard
55 °CAltbau mit großen Heizkörpern oder Flächenheizung
65 °CKlassischer Altbau mit Rippenheizkörpern
75 °CUnsanierter Altbau, kleine alte Heizkörper

Entscheidend ist die rechnerische Vorlauftemperatur Ihres Hauses bei der Norm-Außentemperatur (in Deutschland je nach Region −10 bis −16 °C) – nicht das, was an einem milden Herbsttag reicht.

Und dieser Wert liegt bei vielen Altbauten niedriger als angenommen. Alte Heizungen wurden oft großzügig auf 70 oder 80 °C ausgelegt, obwohl 55–65 °C längst reichen würden. Viele Häuser arbeiten also seit Jahren im Zweifelsbereich – brauchen es aber gar nicht.

Der 15-Minuten-Selbsttest: drehen Sie die Heizung runter

Bevor Sie weiterrecherchieren, machen Sie diesen Test. Er ist kostenlos, dauert 15 Minuten Arbeit plus einen Abend Beobachtung – und sagt fast alles aus.

  1. Stellen Sie die Vorlauftemperatur Ihrer Öl- oder Gasheizung auf maximal 55 °C (oft „Maximaltemperatur Heizkreis” oder „Soll-Vorlauf”). Wählen Sie einen richtig kalten Tag, idealerweise unter 0 °C.
  2. Öffnen Sie alle Thermostatventile voll auf, damit das Wasser ungehindert zirkuliert.
  3. Warten Sie 4–6 Stunden und prüfen Sie dann mit einem Thermometer in jedem Raum, ob die Wunschtemperatur gehalten wird.

Bleibt es überall warm? Ihr Haus ist uneingeschränkt wärmepumpenreif. Wird es in einzelnen Räumen zu kühl, sind das Ihre Baustellen – meist mit einem größeren Heizkörper gezielt lösbar.

Was die Chofu R290 im Altbau leistet

Konkrete Werte aus unserem 10-kW-Modell im kalten Betriebsbereich – dort, wo es zählt:

AußentemperaturVorlauf 55 °CVorlauf 65 °C
+2 °C7,9 kW · COP 2,60ca. COP 2,2
−7 °C6,8 kW · COP 1,87ca. COP 1,7
−15 °C6,1 kW · COP 1,6ca. COP 1,4

Selbst bei −15 °C und 65 °C Vorlauf liefert die Chofu noch 1,4 kWh Heizleistung pro kWh Strom – ohne Elektro-Zusatzheizung. An milderen Wintertagen, wo der Großteil der Heizarbeit anfällt, liegt der COP deutlich höher. Für deutsche Standorte ergibt das einen realistischen Jahresdurchschnitt zwischen 2,6 und 3,2 bei Altbau-Vorlauftemperaturen.

Heizkörper: tauschen oder lassen?

Die erfreuliche Nachricht: Gussheizkörper sind oft besser als ihr Ruf. Große Wasserinhalte, große Oberflächen – beides hilft der Wärmepumpe. Die Probleme liegen meist woanders:

  • Zu kleine Einzelheizkörper in einzelnen Räumen (häufig Bäder, kleine Schlafzimmer)
  • Thermostatventile, die zu früh zudrehen und den Mindestvolumenstrom unterschreiten
  • Zu eng eingestellter hydraulischer Abgleich

Alle drei Probleme sind gezielt und günstig lösbar, ohne die gesamte Heizung neu zu machen. Ein größerer Heizkörper im Schlafzimmer kostet 150–300 € Material plus Installation.

Die Förderung gilt auch für den Altbau

Anders als oft befürchtet stellt die KfW-Heizungsförderung (Programm 458) keine Hürde für den Altbau dar. Förderfähig ist jedes bestehende Wohngebäude, dessen Bauantrag mindestens fünf Jahre zurückliegt. Eine Wärmepumpe mit natürlichem Kältemittel wie die Chofu R290 sichert sich neben der 30-%-Grundförderung den 5-%-Effizienzbonus – und wer eine alte fossile Heizung ersetzt, bekommt obendrauf den Klimageschwindigkeits-Bonus. Wie der Antrag läuft, lesen Sie unter KfW-458-Förderung beantragen.

Wann es wirklich nicht funktioniert – die ehrliche Liste

Zur Ehrlichkeit gehört: Es gibt Fälle, in denen wir vom Umstieg abraten.

  • Kein zentrales Heizsystem: Einzelöfen pro Raum ohne durchgehende Rohrverteilung. Erst Zentralheizung, dann Wärmepumpe.
  • Nachtspeicher-Systeme: Elektro-Direktheizungen ohne Wasserkreislauf – kein Tausch 1:1.
  • Rechnerisch über 75 °C Vorlauf nötig: Selten, meist ein Planungsproblem – aber ein großer Raum mit einem einzigen kleinen Altheizkörper kann so ein Fall sein.

In allen anderen Fällen – und das ist die große Mehrheit der deutschen Altbauten – lohnt sich der ehrliche Check.

Ihr nächster Schritt

Nach einem guten Selbsttest ist der saubere nächste Schritt eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Sie sagt auf 0,5 kW genau, welche Leistungsklasse Sie brauchen – siehe Heizlast berechnen fürs Einfamilienhaus.


Stand: Mai 2026. Technische Werte beziehen sich auf die Chofu R290 Serie; verbindlich ist die individuelle Auslegung durch den Fachbetrieb.

#Altbau#Sanierung#R290#Vorlauftemperatur#Heizkörper

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