Technik 21. Mai 2026 4 Min. Lesezeit

Heizkurve der Wärmepumpe richtig einstellen – Schritt für Schritt

Die Heizkurve ist der größte kostenlose Effizienz-Hebel der Wärmepumpe. Steilheit, Parallelverschiebung und die Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie die Vorlauftemperatur sauber absenken.

Chofu R290 Wärmepumpe mit Bedieneinheit – Symbolbild Heizkurve einstellen

Kurz gesagt: Die Heizkurve steuert, wie warm das Heizwasser bei welcher Außentemperatur wird. Sie ist der größte kostenlose Effizienz-Hebel einer Wärmepumpe: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur spart rund 2,5 % Strom. Die meisten Wärmepumpen laufen nach dem Einbau mit einer zu hoch eingestellten Kurve. Mit etwas Geduld über ein paar kalte Tage senken Sie sie sauber ab – und holen spürbar Effizienz heraus, ohne einen Cent zu investieren.

Was die Heizkurve überhaupt ist

Eine Wärmepumpe heizt witterungsgeführt. Das heißt: Sie misst ständig die Außentemperatur und entscheidet daraus, wie warm das Heizwasser sein muss, das durch die Fußbodenheizung oder die Heizkörper läuft. Je kälter es draußen ist, desto höher die nötige Vorlauftemperatur.

Die Heizkurve ist genau dieser Zusammenhang als Linie: Sie legt fest, welche Vorlauftemperatur zu welcher Außentemperatur gehört. Stimmt die Kurve, läuft die Wärmepumpe ruhig und effizient. Steht sie zu hoch, verschenken Sie dauerhaft Strom – steht sie zu niedrig, wird das Haus an kalten Tagen nicht warm.

Warum das so viel ausmacht: Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt direkt an der Vorlauftemperatur. Als Faustregel kostet jedes Grad mehr Vorlauf rund 2,5 % Effizienz. Über eine ganze Heizsaison summiert sich eine um 5 °C zu hohe Kurve damit zu einem zweistelligen Prozentbetrag auf der Stromrechnung.

Die zwei Stellschrauben: Steilheit und Parallelverschiebung

Eine Heizkurve wird über zwei Werte eingestellt:

  • Steilheit (auch Neigung): Sie bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur steigt, wenn es draußen kälter wird. Eine Fußbodenheizung braucht eine flache Kurve (niedrige Steilheit), alte Heizkörper eine steilere.
  • Parallelverschiebung (auch Niveau): Sie hebt oder senkt die gesamte Kurve gleichmäßig – bei jeder Außentemperatur ein paar Grad mehr oder weniger.

Das Bild dazu: Die Steilheit kippt die Linie, die Parallelverschiebung verschiebt sie nach oben oder unten. Beide zusammen ergeben die Kurve, die zu Ihrem Haus passt.

Warum die meisten Kurven zu hoch stehen

Nach dem Einbau wird die Heizkurve fast immer mit Sicherheitsreserve eingestellt – lieber etwas zu warm als ein kalter Kunde im ersten Winter. Das ist verständlich, aber selten optimal.

Die typische Folge: Es wird in den Räumen zu warm, die Bewohner drehen die Thermostatventile zu. Damit wird genau das Falsche „repariert” – die Wärmepumpe schiebt weiter zu heißes Wasser ins System, das dann an zugedrehten Ventilen ausgebremst wird. Das Ergebnis sind ein höherer Stromverbrauch und häufigeres Takten (kurzes Ein- und Ausschalten), das den Verdichter unnötig belastet.

Der saubere Weg ist umgekehrt: nicht die Ventile zudrehen, sondern die Heizkurve absenken.

So senken Sie die Heizkurve richtig ab

Die Optimierung braucht kein Werkzeug, nur etwas Geduld und ein paar kalte Tage. Schritt für Schritt:

  1. Thermostatventile voll öffnen. In den Haupträumen die Thermostate ganz aufdrehen. Nur so „sieht” die Regelung den echten Wärmebedarf. (Wenig genutzte Räume können gedrosselt bleiben.)
  2. Ausgangswert notieren. Schreiben Sie die aktuelle Steilheit und Parallelverschiebung auf – damit Sie jederzeit zurückkönnen.
  3. In kleinen Schritten absenken. Senken Sie die Heizkurve um eine kleine Stufe (etwa die Parallelverschiebung um 2–3 °C, oder die Steilheit um 0,1–0,2).
  4. Ein bis zwei Tage beobachten. Werden alle Räume noch warm genug? Wichtig: an kalten Tagen testen, nicht im milden Herbst.
  5. Wiederholen, bis es gerade noch reicht. Senken Sie weiter, bis die Wohlfühltemperatur an einem kalten Tag gerade noch gehalten wird. Einen Schritt vor dieser Grenze liegt das Optimum.

Das Ziel ist die niedrigste Vorlauftemperatur, mit der Ihr Haus auch am kalten Tag zuverlässig warm wird – so niedrig wie möglich, so hoch wie nötig.

Steilheit oder Niveau – die Diagnose

Wenn nicht alle Räume rundläuft, hilft eine einfache Unterscheidung:

  • In der Übergangszeit zu warm, bei strengem Frost zu kalt? Dann ist die Steilheit zu niedrig – die Kurve steigt zu schwach an. Steilheit erhöhen.
  • In der Übergangszeit zu kalt, bei Frost passend? Dann ist die Steilheit zu hoch. Steilheit senken.
  • Durchgehend zu warm oder durchgehend zu kalt, bei jeder Außentemperatur gleich? Dann stimmt die Parallelverschiebung nicht – die ganze Kurve nach unten bzw. oben schieben.

Mit diesen drei Fällen lässt sich fast jede Fehleinstellung gezielt korrigieren.

Nachtabsenkung bei der Wärmepumpe – meist überflüssig

Von der Gas- oder Ölheizung kennen viele die Nachtabsenkung. Bei der Wärmepumpe ist sie selten sinnvoll.

Der Grund: Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten, wenn sie gleichmäßig mit niedriger Vorlauftemperatur durchläuft. Eine nächtliche Absenkung spart kaum etwas – das Gebäude kühlt nur leicht aus –, und das Wiederaufheizen am Morgen verlangt dann eine höhere Vorlauftemperatur, also genau den ineffizienten Betrieb, den man vermeiden will. In den meisten Häusern fährt die Wärmepumpe mit einer durchgehenden, gut abgesenkten Heizkurve am sparsamsten.

Ihr nächster Schritt

Die Heizkurve ist der Hebel, der nichts kostet und am meisten bringt. Bei einer neu eingebauten Anlage gehört das saubere Einregeln zur Inbetriebnahme dazu – fragen Sie aktiv danach.


Die genannten Faustwerte sind Orientierungsgrößen. Die optimale Heizkurve hängt von Gebäude, Heizsystem und Wärmedämmung ab; im Zweifel unterstützt der Fachbetrieb beim Einregeln.

#Heizkurve#Vorlauftemperatur#Effizienz#Optimierung#JAZ

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